Meisterliche Klänge - „Harmonic Brass“ brillierte in der Stadtkirche

Bild: Lionsclub Gunzenhausen
„Harmonic Brass“ spielte sich in der evangelischen Stadtkirche mit dem Konzert „Meisterwerke“ in die Herzen der Zuhörer. Foto: Kuhn

GUNZENHAUSEN (hk) – „Meisterwerke“ lautete der Titel des Konzerts, das das Münchner Blechbläserensemble „Harmonic Brass“ in der evangelischen Stadtkirche gab. Der Lions Club Gunzenhausen und die evangelische Kirchengemeinde als Gastgeber konnten sehr zufrieden sein, denn die Besucher waren begeistert von dem Programm des weltweit führenden Blechbläserensembles, welches in jährlich über 150 gebotenen Konzerten im In- und Ausland Kirchen und Konzertsäle füllt.

In Frack und mit weißer Fliege zogen Hans Zellner (1. Trompete), Gergely Lukàs (2. Trompete), Andreas Binder (Horn), Thomas Lux (Posaune) und Hermann Häberlein (Tuba) unter ihrer Erkennungsmelodie, dem „Rondeau“ des französischen Komponisten Mouret, in das Gotteshaus ein. Gleich zu Beginn zog das Quintett bei den drei Sätzen der Orchestersuite Nr. 3 des großen Kirchenkomponisten Johann Sebastian Bach alle Register. Die schnellen Läufe in der „Ouvertüre“, die harmonischen Klänge von „Air“ und die abschließende „Gigue“ mit ineinander fließenden Echoklängen ließen das Bach-Werk zu einem Hörgenuss werden.

Bei dem „Kanon in D“, welcher durch den Nürnberger Komponisten Johann Pachelbel (1653 bis 1706) zu Weltruhm gelangte, bedienten sich die Musiker ihrer eigenen „Münchner Version“, die Hans Zellner für die Musikgruppe arrangiert hat. In die Schlossanlage von Versailles mit ihren schönen Gärten und vielen Brunnenanlagen wurden die Zuhörer bei dem Vortragsstück „Les Fontaines de Versailles“ entführt. Mit den kleinen Piccolotrompeten, gespielt von Hans Zellner und Gergely Lukàs, wurde das Sprudeln von frischem Wasser gedanklich nähergebracht.

Als Ohrenschmaus erwiesen sich auch Stücke aus der Oper „Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber. Die Szenen von Liebe, Jagd und Leidenschaft setzten Andreas Binder, Hans Zellner und Gergely Lukàs auf Waldhörnern gekonnt in Szene, während Tubist Manfred Häberlein und Posaunist Thomas Lux den dazugehörenden Background lieferten.

Mit dem Fanfarenstück „Einzug der Königin von Saba“ begann der zweite Teil des Abends. Mit der „Blumenarie“ aus der Oper „Lakmé“, die besonders oft in England und Frankreich aufgeführt wird, intonierte die Gruppe ein Stück, welches hohe Anforderungen an die Musiker stellt. In einer Hommage für den großen amerikanischen Komponisten und Arrangeur George Gershwin widmete sich das renommierte Ensemble Melodien, die unter anderem durch die Sänger Barbara Streisand, Ella Fitzgerald und Louis Armstrong um die Welt gingen. Fantastisch zusammengefügt und hervorragend in den Übergangsrhythmen zusammengestellt, erschallten die Welthits „Summertime“, „Rhapsodie in Blue“ und „Ein Amerikaner in Paris“.

Mit dem „Libertango“ erklang eines der berühmtesten Stücke von Astor Pizzolla, der in den 50er-Jahren den Tango neu belebte. Diese melancholische und dennoch auch packende Musik wurde von Manfred Häberlein auf der Tuba und Andreas Binder mit dem Horn exzellent zur Aufführung gebracht. Kein Tempolimit gab sich „Harmonic Brass“ bei der Darbietung des „Säbeltanzes“ von Aram Chatschaturjan. Klingenscharfe Töne, schnelle und starke Rhythmen sowie die hohe Kunst des perfekten Zusammenspiels beeindruckten.

Bevor es in die Zugabe ging, betrieben die fünf Bläser auch Nachwuchsarbeit für Posaunenchöre und Jugendkapellen. Hans Zellner verteilte Zettel und Stifte an die kleinen Zuhörer für ein anstehendes Quiz. In „Mouse and Friends“ intonierten die fünf Musiker ein Potpourri bekannter Lieder aus Fernsehsendungen für Kinder, darunter „Biene Maja“ und das „Sandmännchen“. Alle Kinder bis 14 nahmen an der Verlosung teil. Je eine Harmonic-Brass-CD „Bolero“ erhielten Tabea Zimmermann, Jonathan Keller und Finja Sauerbrey. Alle anderen Teilnehmer zogen aus dem „Überraschungssack“ ein kleines Präsent.

Lang anhaltender Beifall, stehende Ovationen, ja sogar Pfiffe als Ausdruck des Jubels gab es nach dem Ende des offiziellen Teils. Manfred Häberlein, in Neuhof bei Nürnberg aufgewachsen und Mitbegründer von „Harmonic Brass“, erntete mit der Improvisation zu „Mei Huat, der hat drei Ecken“ Szenenapplaus. Durch das Programm führte Andreas Binder. Er verstand es, Brücken zu den Stücken aus den unterschiedlichen Epochen zu bauen und mit viel Witz auf Erlebnisse der Solisten während der langjährigen Tourneezeit einzugehen. Mit dem Choralsatz „Ade zur guten Nacht“ in verschiedenen Variationen endete ein mitreißender Konzertabend.

Lions-Vorsitzender Olaf Pattloch bedankte sich bei den Clubmitgliedern Helmut Lang, Wolfgang und Ilse Wißmüller, denen es gelang, mit „Harmonic Brass“ eine Musikgruppe von Weltruhm zu engagieren. Der Reinerlös des Benefizkonzerts wird dem Projekt Projekt „Klasse 2000“ und damit Grundschulklassen in der Region zugeführt. Pfarrerin Melanie Caesar dankte dafür, dass das Gotteshaus mit wunderbaren Tönen erfüllt wurde. Ein Dankeschön galt auch den Gunzenhäuser Lions-Aktiven für die Spende einer „Tuba-Pfeife“ in der neuen Orgel.

Freunde von „Harmonic Brass“ müssen auf den nächsten Auftritt in Mittelfranken lange warten. Erst am Sonntag, 27. Juni 2010 tritt die Gruppe anlässlich des zehnjährigen Bestehens der „Ökumenischen Bläsergruppe Gnotzheim“ im Innenhof der Burg Spielberg auf.

(mit freundlicher Genehmigung des © ALTMÜHL-BOTE, GUNZENHAUSEN, 12.11.2008)

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